Mainz - Kelsterbach (26km)
Beschreibung
06:57 Uhr fährt der Zug pünktlich in Dresden los. Pfingstsonntag früh - der Sachsen-Franken-Express ist fast leer. Das Wetter ist bestens - strahlender Sonnenschein - keine einzige Wolke. Ich genieße die frühlingshafte Landschaft - und das Gefühl wie in einem Sportflugzeug. Die modernen Neigewagen legen sich mit abrupter Schräglage in die Kurve. Und Kurven hat die Strecke entlang des Erzgebirges durchs Vogtland nach Franken rein mehr als genug. Wenn nur der Krach nicht wäre. Genau unter dem Fahrradabteil sitzt das Triebwerk oder/und der Kompressor für die Neigetechnik, und der/die machen mächtig Krach.
In Bayreuth (10:26 Uhr) habe ich eine halbe Stunde Zeit. Der Übergang zum anderen Bahnsteig mit dem bepackten Rad wird durch Fahrstühle erleichtert. Nach Würzburg sind es nur 1½ Stunden. Dort muss ich beim Umsteigen das Rad über zwei Treppen schleppen. Mittag im Zug nach Frankfurt mit mitgebrachten Bemmen und Apfelschorle. Ich frage die Zugbegleiterin nach dem Bahnsteig 103 der S-Bahn auf dem Frankfurter Bahnhof. Der sei im Tiefbahnhof und mit dem Rad schwer erreichbar. Sie rät mir mit dem IRE nach Mainz zu fahren. Der fahre auf der gleichen Ebene ab, allerdings nicht über Mainz Hbf, sondern über Mainz-Kastel. Ein Blick ins bikeline zeigt mir, dass der Main-Radweg eigentlich am rechten Rheinufer in Kastel beginnt. Ich erspare mir dadurch sogar den Weg durch Stadtzentrum von Mainz.
Nach fast 10 Stunden Bahnfahrt bin ich 16:25 Uhr in Mainz-Kastel und wenige Minuten später am Rhein. Es herrscht ein mächtiges Pfingstgewühle. Ganz Mainz lagert sich bei dem herrlichen Wetter in den Anlagen am Rheinufer. Grillfeten, Saufgelage oder nur Sonnenbaden. Ich packe erstmal um - Radlerhosen gegen lange Hosen, Wetterjacke gegen leichtes Jersey. Während der Bahnfahrt hatte ich Sturzhelm und Lenkertasche praktischerweise im Rucksack am Mann. Der Rucksack verschwindet im Sattelgepäck. Noch eine Knipse - und es kann losgehen. Über die Fußgängerbrücke über den Floßhafen auf die Maaraue (nicht Mainaue). Von links kommt der Main in den Rhein. Der Main hat die Breite wie die Elbe bei Wenigwasser in Dresden. Der Rhein ist schon etwas breiter - Knipse.
Wenige Minuten später liegt die Stadt hinter mir und ich tauche in den Auwald ein. Der Radweg ist schon etwas älter. Die Wurzeln der Ufergehölze haben den Asphalt vielfach angehoben. Es ist eine hässliche Buckelstrecke. Und der Wind kommt mäßig bis stark aus Ost. Wieder mal die falsche Richtung erwischt. Und außerdem erweist sich das Umdenken der Flussabwärts-Wegbeschreibung im bikeline als gar nicht so einfach, so dass ich in Zukunft darauf verzichte. Die Karten allein sind ja aussagekräftig genug - wenn man sie richtig und öfters anguckt.
Die ersten Weinberge bei Hochheim, die ersten Nachtigallen im Busch und jede Masse heimkehrender Radfahrer. Und jede Menge Flugzeuge. Der Main-Radweg verläuft parallel zur Einflugschneise des Flughafens Frankfurt. Wenn die Flugzeuge dann niedrig genug sind zur Landung, dürfte auch mein heutiges Etappenziel erreicht sein. Kelsterbach liegt 2 km neben dem Flughafen. Bei Eddersheim die erste Mainüberquerung auf die linke Seite an einer Staustufe mit Schleusenanlage. Das bedeutet ca. 40 Treppenstufen das Rad hoch schleppen und drüben wieder runter.
Nach mehrmaligen Fragen finde ich in Kelsterbach meine Pension. Duschen - landfein machen. Trotz Pfingsten haben die zwei deutschen Gaststätten zu. Nur der Italiener und der Grieche haben offen. Vom nahen Flughafen war nichts zu hören.
Schwierigkeitsgrad
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