Altenkunstadt - Quelle des Roten Main und Bad Berneck (105km)
Beschreibung
08:00 Uhr Start - mit Schieben - bergauf nach Prögel und Schussfahrt nach Maineck. Dann folgen mehrere Kilometer eine Strecke aus Formsteinen, d.h. nur die Fahrspuren sind durchgehende Steine, links und rechts und in der Mitte sind Lochsteine. Dann sind wahrscheinlich mal die durchgehenden Steine ausgegangen und der Radweg besteht nur noch aus Gittersteinen. Als Radweg eigentlich eine Zumutung. Bei Mainleus über den Main - da dachte ich schon es wäre der Zusammenfluss - war aber nur eine Insel.
Kulmbach wird nur tangiert. Ich habe beschlossen, heute den Roten Main aufwärts bis zur Quelle zu fahren. Ich war schon unterwegs, da merke ich, dass mir noch der Zusammenfluss fehlt. Ein Stück zurück nach Melkendorf und dann links. Und wer kommt aus der Seitenstraße? Die geballte Ladung der Münster Ballonfahrer. Gemeinsam fahren wir zum Zusammenfluss von Roten Main und Weißmain. 09:45 Uhr bei km 24 - Knipse und „Gipfelfoto“. Schnell verlass ich die Meute. Dieses Fahren im Rudel ist mir zu gefährlich. Man muss ja mehr auf Vorder-, Seiten- und Hintermann achten als man die Gegend genießen kann.
In Katschenreuth beginnt die „Bergroute“ nach Bayreuth. 19 km auf der alten Bahntrasse über Thurnau nach Neuenreuth. Das sind zwar 9 km Umweg gegenüber der „Talroute“, aber dafür hatte ich ja vorgestern bei Vierath abgekürzt. Und ich bereue es nicht. Es wird eine fantastische Fahrt - im 3. Gang gemächlich aufwärts durch Wald und Wiesen. Die Luft ist klar nach den gestrigen Regen. Der Himmel ist zwar bedeckt, aber ab und zu kommt sogar die Sonne raus. Der Ginster blüht, auch noch der Raps und die Apfelbäume. Es geht ein Stück auf der Höhe lang - durch ein Dörfchen - anstelle des Bahnhofs steht ein Altenheim - dann wieder durch Wald - und quer durch ein Golfplatz! Und damit die Radfahrer nicht von den Golfspielern abgeschossen werden, sind fast 200 Meter Radweg mit einem hohen Gitter eingehaust. Es wirkt aber gar nicht wie ein Käfig. Mit Rankengewächsen bewachsen passt der „Laubengang“ sogar in die Landschaft.
Thurnau ist erreicht und die Bahnfahrt wird durch eine Baustelle unterbrochen. Nach Fragen finde ich auch wieder den Einstieg. Erneut geht es aufwärts, unter die Autobahn durch und der Scheitelpunkt ist wohl erreicht. Hier steht ein „Fahrrad“ aus Granit - für die ganz harten Radfahrer. Und es kommt sogar einer vorbei, der mich auf dem steinernen Fahrrad fotografieren kann. Erst durch ein Dorf und dann nur durch Wald geht es drei Kilometer nur abwärts. Leider im Wald nicht mehr asphaltiert, sondern nur geschlämmt. Durch den gestrigen Regen ist der Untergrund etwas schwammig. Vorsicht ist also angebracht.
Ich bin wieder am Main - am Roten Main. Der Weg geht wunderschön durch die Auen - mit Margaritten und Butterblumen. Zwei Fischreiher stehen rum. Aufstieg nach Neudrosselfeld, Abstieg nach Altenblos. Vor Bayreuth tangiert der Radweg einen Supermarkt. Ich kann mit 3 Flaschen wieder meinen Wasservorrat auffüllen. In Bayreuth ist der Rote Main eingedeicht und man kommt direkt im Zentrum raus. 12:30 Uhr bei km 59 - am Hohenzollerring kreuzen sich dutzende Radwege - nur die Mainquelle ist nicht aufgeführt. Also frage ich, die Auskunft ist sehr vage - der Stadtplan von Bayreuth im bikeline verschafft mit dann den richtigen Ausstieg aus der Stadt.
Kaum bin ich straßenbegleitend aus der Stadt raus, fängt es an stark zu regnen. 13:00 Uhr - ich suche Schutz unter einem Baum, der auch dicht hält. Ich nutze die Zeit zum Mittagessen - bei Wasser und Brot. Nach 10 Minuten ist alles vorbei. Ab jetzt geht es vorwiegend aufwärts - solange es im 2. oder 3. Gang noch treten lässt - ansonsten wird geschoben. Vor der Autobahn springt eine Tier über den Acker: hellbrauner Rücken, weißgrauer Bauch, gerade langer Hals, lange aufrechte Ohren. Das kann kein Reh oder Damwild sein. Ein junges Lama in freier Wildbahn!
Leider geht es hinter der A9 wieder steil nach unten zur Bockmühle - mit dem Ergebnis, dass es dahinter noch steiler nach Haag hinauf geht. Es folgt zwar hinter Haag ein halbwegs gerades Stück bis zum Wald, aber es ist frisch grob gesplittet. Unschön als Radweg. Dann wird wieder geschoben, fast drei Kilometer den Tannenberg hoch. Unterwegs kurze Pause an einer gefassten Quelle. Aber das ist noch nicht das Ziel. Weiterschieben bis auf 600 m NN. Leider erwische ich den Fußweg zur Quelle - schiebend über Stock und Stein.
14:40 Uhr bei km 75 - ich bin an der Quelle des Roten Main. Nach 565 km von der Mündung in den Rhein und der Schinderei des Aufstiegs bin ich am Ziel meiner Wünsche - an einem Stück Rohr, aus dem ein dünner Strahl Wasser fließt. Nachempfinden kann nur der, der ähnliches mitgemacht hat: Der Stolz auf die eigene Leistung, die tiefe Befriedigung, es doch geschafft zu haben, die Fülle der Eindrücke unterwegs, das Einsaugen der Landschaft, dass die paar Fotos nicht wiedergeben können. Und keiner kann mich fotografieren - ich bin allein hier oben.
Ich habe beschlossen, heute von Kulmbach aus noch den Weißmain anzugehen, morgen bis zu seiner Quelle und dann zum Zug nach Münchberg. Da hätte ich beide Quellen gemacht und trotzdem einen Tag gegenüber der ursprünglichen Planung rausgeholt.
Eigentlich führt der Radweg weiter nach Creußen, dem Ausgangspunkt der Roter Main-Tour. Von dort hat man Bahnverbindung nach Bayreuth. Wer weiß, wann ein Zug nach Bayreuth fährt. Also mit dem Rad zurück nach Bayreuth - sind ja nur 15 km. Abwärts geht es schneller. 15:55 Uhr bei km 90 bin ich auf dem Bahnhof Bayreuth. 6 Min. später fährt mein Zug nach Kulmbach - 6,60 EUR für das kurze Stück - allerdings kostet das Fahrrad diesmal nichts. In Bayern gibt es einige Bahnlinien, wo die Mitführung des Fahrrades kostenlos ist.
Ich genieße die Landschaft, ohne treten zu müssen. In Neuenmarkt hat der Zug einen längeren Aufenthalt. Ich nutze die Zeit, um in bikeline mir die Strecke am Weißmain anzusehen. Und sehe, dass Neuenmarkt am Weißmain-Radweg 15 km hinter (oder vor) Kulmbach liegt. Aber schnell raus, dass spart mir 15 km.
Leider führt der Weg von Neuenmarkt nach Himmelkron über den Berg und ist grob geschottert. Und das Wasser ist mir ausgegangen. Schweren Herzens öffne ich die 2 Liter Kwas und „taufe“ beim Öffnen infolge Überdruck das ganze Rad und das Gepäck. In Himmelkron bin ich endlich am Weißen Main. Zeit ans Quartier zu denken. Ich will noch bis Bad Berneck, dass hat zwar keine Privatzimmer, aber genügend Hotels und Pensionen. Ich suche im bikeline das preiswerteste aus und es klappt auch auf Anhieb.
Aufstieg zur A9 - 17:30 Uhr bei km 100 - der Verkehr in Richtung Nord steht dreispurig. Wie wohltuend ist doch einsames Radeln - bis zum nächsten Schieben. Endlich ist Bad Berneck erreicht, der Ort drängelt sich im Seitental der Ölschnitz. Dort finde ich auch mein heutiges Quartier (18:00 Uhr bei km 105).
Schwierigkeitsgrad
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