Göttingen - Leinefelde (60km)
Beschreibung
Nach der gestrigen langen Fahrt lassen wir es heute geruhsamer angehen. 09:30 Uhr Start, um noch schnell das Gänseliesel vorm Rathaus in der Morgensonne zu fotografieren. Strahlend blauer Himmel.
Wenn ich die Brille eher rausgeholt hätte, hätten wir den Abgang aus der Innenstadt zum Leine-Radweg gleich gefunden. Die Freude über separaten Radweg entlang der Leine währt nur kurz. Ab Obernjesa geht’s wieder 6 km straßenbegleitend bis Friedland - ohne Bänke, ohne Rastplätze - dafür mit unangenehmem Gegenwind. Unterhalb des Lagers Friedland (Durchgangslager für Spätheimkehrer und Spätaussiedler) kaufen wir Himbeeren, Heidelbeeren, Gurke und Nektarinen.
Vom Bau der A 38 haben offensichtlich auch die Radfahrer profitiert. Es gibt einen neuen Radweg aus Friedland direkt an der Leine lang, der uns fast aus der bikeline-Karte rausführt, sodass ich in der Mittagspause auf einer Bank am Dorfausgang von Niedergandern erst mal die Orientierung wieder herstellen muss (12:00 - 12:30 Uhr bei km 21,8). Wir sind 500 m von der Grenze entfernt. Zeit auch, um Quartier zu machen. Heutiges Ziel ist die Quelle der Leine in Leinefeld.
Wir passieren hinter Besenhausen die ehemalige Grenze zwischen DDR und BRD. Der Grenzübergang Besenhausen war nach dem Krieg das „Tor der Hoffung“ für ehemalige Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Flüchtlinge, 2 Millionen Menschen in beiden Richtungen sollen hier durchgegangen sein.
In Thüringen gibt es endlich einen richtigen schönen straßenfernen Radweg. Auch an den neuen Häusern und Straßen, die in den letzten 20 Jahren entstanden sind fragt man sich, was der ärmere Teil Deutschlands war.
Mit den Radwegen erkläre ich mir das so. In Westdeutschland hatte der Straßenverkehr bereits in den 70er Jahren so zugenommen, dass die noch Rad fahrende Dorfbevölkerung gefordert hat, Radwege zwischen den Dörfern zu bauen. Und das geschah zweckmäßigerweise direkt auf dem einfachsten und kürzesten Wege - neben der Straße. So sind die vielen straßenbegleitenden Radwege entstanden. Und die Erfinder des Leine-Radweges haben einfach die vielen straßenbegleitende Radwege aneinandergereiht und ab und zu mal was dazu gebaut. Aber die heutigen Radwanderer wollen nicht kilometer- oder stundenlang auf oder neben der Straße fahren und den ganzen Mief einatmen. Sie wollen quer durch Wiesen, Felder, Auen und Wälder - in Ecken, wo man mit dem Auto gar nicht hinkommt - mit Bänken, Rastplätzen und Infotafeln. Das macht ja den Reiz des Radwanderns aus - sonst könnte man ja gleich mit dem Auto fahren.
Und die Thüringer haben nach der Wende die Fördermittel für Radwege gleich richtig genutzt. Die Leine ist inzwischen ein kleines Bächlein geworden, was sich malerisch durch die Wiesen schlängelt. In Uders wird Eistee getankt. Leider führt der Radweg in Bad Heiligenstadt nicht durch den schönen blumenbestückten Kurpark. Dort wäre das Radfahren sicher auch verboten. Oberhalb des Ortes machen wir 14:20 Uhr bei km 41,6 Vesper mit Streuselkuchen.
Den Aufstieg nach Leinefelde habe ich mir schwieriger vorgestellt. Es geht immer mal bergauf und bergab, ohne dass wir schieben müssten. In Leinefelde sind wir an der Quelle der Leine, d.h. an einer der 13 Quellen der Leine, der so genannten Ringquelle „Zur Insel“. Die steht aber auf Privatbesitz. Doch der rasenmähende Besitzer schließt seinen Garten auf, so dass ich meine Hand ins Quellwasser halten und die Quelle richtig fotografieren kann.
Aber wir müssen noch die 4 km nach Breitenbach, straßenbegleitend entlang der vielbefahrenen
B 247, über die A 38 drüber, durchs ganze Dorf durch und j.w.d. auf einen Hügelchen endlich unser Quartier.
392 km sind wir in 7 Tagen gefahren. Morgen geht es rüber an die Quelle der Unstrut und dann die Unstrut abwärts. Aber das ist schon ein anderer Bericht.
Schwierigkeitsgrad
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