Forst - Welzow (82km)
Beschreibung
08:45 Uhr Start. Die Unwetterfront ist durch, wieder strahlend blauer Himmel ohne eine einzige Wolke. Man möge uns verzeihen, dass wir nach Bad Muskau statt auf dem Fürst-Pückler-Radweg - über die Hügel und durch den Wald - auf dem Neiße-Radweg radeln.
Wunderschönes Deichradeln - bis an den Muskauer Faltenbogen, dann rücken die Hänge an den Fluss und es geht teilweise in den Hang und durch den Wald. Wir haben ja vor drei Jahren gemeinsam den Neiße-Radweg gemacht. Inzwischen hat sich auf den wenigen Kilometern bis Bad Muskau einiges verändert. Auf polnischer Seite wurden zwei kleine Wasserkraftwerke erneuert. Die Neiße wird mit riesigen aufblasbaren Gummiwülsten angestaut.
Die Hochwasserwelle durch den Dammbruch im Juni vergangenen Jahres hat an den Uferböschungen und im Gehölz mehr Schaden angerichtet als die jährlichen langsam steigenden Hochwasser. Auch wurde viel Sand weg- und angespült. In Zetz gibt es eine neue Fußgängerbrücke nach Zarki Welkie.
7 km vor Bad Muskau stößt in Pusack der Fürst-Pückler-Weg wieder an die Neiße. Wir tauchen ein in den Fürst-Pückler-Park von Bad Muskau (12:30 Uhr bei km 31,0). An der im Krieg zerstörten Englischen Brücke wird emsig gebaut. Auch das Neue Schloss ist fast fertig. Die Damen haben sich schon die ganz Tour auf das Eis im Schlosscafé gefreut - selbstverständlich Pücklereis.
Wir haben mit Bad Muskau wieder eine 900-Kehre gemacht und sind jetzt auf Westkurs. Die Straße nach Gablenz hat einen guten straßenbegleitenden Radweg. Aber auf der nackten Höhe macht sich ein hässlicher kalter und starker Gegenwind bemerkbar.
13:30 Uhr bei km 38,9 sind wir im Rhododendronpark Kromlau. Angesichts der Basaltbogenbrücke machen wir Rast. Vorbei an der herrlich blühenden Rhododendron- und Azalienschlucht finden wir zwar nicht mehr den Fürst-Pückler-Weg, gelangen aber auf der Straße genau so gut nach Halbendorf. Schöner Weg entlang des Halbendorfer Sees. Den sieht man gar nicht mehr an, dass er auch ein kleiner Tagebau war.
14:45 Uhr bei km 46,0 machen wir ab Schleife eine Abkürzung. Während der Fürst-Pückler-Weg im Zickzack über die Dörfer und ständigen bergauf und bergab 29 km braucht, fahren wir schnurgerade auf wenig befahrener Landstraße nach Graustein und von dort auf einen schönen straßenbegleitenden Radweg entlang der B156 nach Spremberg.
Rast im Café am Markt und durch die freundliche Touristinformation nebenan Quartier machen. Wir nehmen den direkten Weg nach Pulsberg, ohne mit dem Fürst-Pückler-Weg über die Hochkippe zu müssen. Die Strecke hat zwar nur bis zum Stadtrand Spremberg einen straßenbegleitenden Radweg, aber es herrscht dann wenig Verkehr auf der Straße. Links die gewaltige Kulisse des Kraftwerkes Schwarze Pumpe.
Ab Pulsberg geht es auf begrüntes ehemaliges Kippengelände. Der Radweg ist stellenweise eine Huckelpiste. Wurzeln der jungen Bäume heben den Asphalt an, frische Triebe schießen durch den Belag. So schön wie die Radwege quer durch den Wald sind, aber die Natur fordert ihr Recht. Ähnliche Querhöcker hatten wir schon mehrfach. Vor Forst wurde versucht, stückchenweise den Radweg auszubessern, indem man den Radweg aufgebrochen, mächtige Wurzeln entfernt und neu geschottert und asphaltiert hat. Mehrfach haben wir auch gesehen, dass man links und rechts - 1 m vom Asphalt entfernt - mittels einer Fräse oder Säge versucht hat, auf dem gesamten Waldabschnitt die Wurzeln zu kappen.
Wir kommen an einem Rastplatz mit einem großen Findling mit der Aufschrift Jessen. Hier mäht ein alter Mann das Gras um den Stein. Ja, hier habe sein Dorf gestanden. Er musste 1972 seinen Bauernhof verlassen, der Tagebau habe alles geschluckt. Heute wohnt er in Welzow und pflegt die kleine Gedenkstätte an sein Dorf. Die damaligen Entschädigungen seien nicht zu vergleichen mit dem, was die Leute heute kriegen. In Neu-Horno hätten sich Leute ganze Vierseitenhöfe bauen lassen, obwohl sie gar keine Bauern mehr seien.
Entlang der Bahnlinie rollen die Züge aus dem Tagebau Welzow Süd in das Kraftwerk Schwarze Pumpe. Wir erreichen das geräumte Dorf Haidemühl. Gespenstig, bedrückend - aber alle wollen Strom haben und möglichst ohne CO2-Emmissionen und jetzt auch ohne Atomkraft. Überall die Scheiben eingeschmissen und die Scherben liegen auf dem Radweg. Nur jetzt nicht noch eine Panne. Hinter der Eisenbahn in Proschim ist wieder heile Welt, aber die Leute kämpfen hier um den Erhalt ihres Dorfes. 19:00 Uhr sind wir endlich im Quartier in Welzow.
Schwierigkeitsgrad
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